Für Auftraggeber
Phosphorrückgewinnung 2029: Welche Fachkräfte Kläranlagenbetreiber für Planung und Bau brauchen
Ab 2029 müssen Betreiber größerer Kläranlagen Phosphor aus Klärschlamm zurückgewinnen – dafür brauchen sie Ingenieure und Techniker mit Erfahrung in Verfahrenstechnik, Anlagenbau und Genehmigungsrecht. Die Nachfrage nach diesen Fachkräften steigt, während die Zeit bis zur gesetzlichen Frist knapp
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Stellenausschreibung ProjektRinge von innen: I ausgeschrieben · II vergeben · III in Planung
- Autor
- Redaktion
- Kategorie
- Arbeitsmarkt
- Lesezeit
- 4 Minuten
- Stand
- 26.10.2026
Ab 2029 müssen Betreiber größerer Kläranlagen Phosphor aus Klärschlamm zurückgewinnen oder einer Phosphorrückgewinnung zuführen – so schreibt es die Klärschlammverordnung (AbfKlärV) vor. [3] Kleinere Anlagen haben bis 2032 Zeit. [4] Wer die Frist nicht einhält, muss möglicherweise in einen Fonds einzahlen, den das Bundesumweltministerium derzeit prüft. [5] Der Aufbau dieser Anlagen erfordert Fachkräfte mit spezifischen Kenntnissen in Verfahrenstechnik, Anlagenbau und Genehmigungsrecht – und die Zeit wird knapp.
Warum ist die Frist so drängend?
Phosphor gehört in der EU zu den kritischen Rohstoffen, die Importabhängigkeit beträgt 100 %. [5] Importiert wird vor allem aus Marokko und Russland. [5] Politische Instabilität in den wichtigsten Herkunftsländern führt immer wieder zu Versorgungsengpässen und zum Teil drastischen Preisanstiegen. [4] Gleichzeitig gibt es in Deutschland noch keine großtechnische Phosphor-Rückgewinnungsanlage aus Asche, die kontinuierlich im Regelbetrieb läuft. [4]
Genehmigungsverfahren für neue Anlagen benötigen oft mehr als fünf Jahre. [5] Muss Asche für eine spätere Nutzung gelagert werden, braucht es für geeignete Flächen eine weitere Genehmigung. [5] DWA-Präsident Uli Paetzel geht davon aus, dass 2029 aus rund einem Drittel der anfallenden Klärwerksaschen Phosphor zurückgewonnen werden wird. [5] Diese Ausgangslage zeigt: Betreiber, die jetzt mit Planung und Bau beginnen, brauchen sofort qualifiziertes Personal.
Welche Verfahren kommen zum Einsatz?
Die Wahl des Verfahrens bestimmt, welche Fachkräfte gefragt sind. Grundsätzlich lässt sich Phosphor aus dem Abwasser, aus Klärschlamm, aus Prozesswässern der Schlammbehandlung sowie aus Klärschlammaschen zurückgewinnen. [1] Am aussichtsreichsten sind Verfahren, die auf der Phosphorrückgewinnung aus Schlammwässern und Aschen basieren. [1]
Zwei Verfahrensgruppen prägen derzeit die Praxis:
- Biologische Rücklösung mit Struvitfällung: Phosphor wird aus Überschussschlamm unter Ausschluss von Luft biologisch gelöst und anschließend durch Zugabe von Magnesium und Lauge als Struvit ausgefällt. [4] Die Rückgewinnungsrate liegt deutlich höher als in herkömmlichen Struvit-Anlagen – eine Steigerung der Quote von circa 20 % auf 70 %. [4]
- Nasschemische Verfahren: Diese eignen sich insbesondere für Gebiete, in denen Klärschlamm mit erhöhten Schadstoffwerten verarbeitet wird, etwa in großen Ballungsräumen mit einer hohen Anzahl an Industrie- und Gewerbeunternehmen. [4]
- Thermochemische Verfahren: Das thermochemische Verfahren wird in bestehende Monoverbrennungsanlagen für Klärschlamm integriert und wandelt Klärschlamm in einen pflanzenverfügbaren Dünger um. [5]
Welche Ingenieure werden konkret gesucht?
Der Anlagenbau für Phosphorrückgewinnung ist ein interdisziplinäres Vorhaben. Je nach Verfahren und Projektphase sind unterschiedliche Qualifikationen gefragt:
| Fachrichtung | Typische Aufgaben |
|---|---|
| Verfahrenstechnik | Auslegung der Rücklösungs- und Fällungsstufen, Prozessoptimierung |
| Umwelt- und Abwassertechnik | Einbindung in bestehende Kläranlageninfrastruktur, Schlammbehandlung |
| Maschinenbau | Ausrüstungsplanung, Rohrleitungsbau, Pumpen- und Rührtechnik |
| Elektro- und Automatisierungstechnik | Mess-, Steuer- und Regelungstechnik für Fällungs- und Verbrennungsprozesse |
| Bauingenieurwesen | Tiefbau, Behälterbau, Fundamente für neue Anlagenteile |
| Genehmigungsplanung | Erstellung von Unterlagen für immissionsschutz- und wasserrechtliche Verfahren |
Für Anlagen mit thermischer Vorbehandlung – also Monoverbrennung mit anschließender Aschebehandlung – kommen zusätzlich Fachkräfte aus dem Bereich Feuerungstechnik und Thermoprozesstechnik hinzu.
Was macht die Personalsuche schwierig?
Die Kombination aus Abwassertechnik und Anlagenbau ist auf dem Arbeitsmarkt selten. Viele Fachkräfte mit Erfahrung in der Klärschlammbehandlung kennen die verfahrenstechnischen Grundlagen, haben aber wenig Erfahrung mit dem Bau neuer Anlagenteile im laufenden Betrieb. Umgekehrt bringen Ingenieure aus dem klassischen Anlagenbau oft nicht das spezifische Wissen über Schlammwässer, Faulbehälter und biologische Prozesse mit.
Hinzu kommt der Zeitdruck: Da Genehmigungsverfahren für neue Anlagen oft mehr als fünf Jahre benötigen, müssen Planungsingenieure und Genehmigungsexperten bereits jetzt eingesetzt werden. [5] Wer erst nach Erteilung der Genehmigung mit der Personalplanung beginnt, verliert wertvolle Monate.
Für Betreiber, die Klärschlamm mit erhöhten Schadstoffwerten behandeln müssen, ist die Lage besonders anspruchsvoll: Hier sind Fachkräfte gefragt, die nasschemische Großanlagen kennen und Erfahrung mit dem Umgang schadstoffbelasteter Reststoffe haben. [4]
Welche Qualifikationen sind besonders gefragt?
Neben der fachlichen Tiefe zählen folgende Kenntnisse:
- Erfahrung mit der Einbindung neuer Anlagenteile in bestehende Kläranlagen
- Kenntnisse im Wasser- und Abfallrecht, insbesondere zur AbfKlärV
- Praxis in der Auslegung von Fällungs- und Kristallisationsreaktoren
- Erfahrung mit thermischen Verfahren (Monoverbrennung, thermochemische Behandlung)
- Kenntnisse im Genehmigungsrecht für Abwasser- und Abfallanlagen
Techniker und Meister mit Erfahrung in der Klärschlammbehandlung sind für den Bau und die spätere Inbetriebnahme ebenso gefragt wie für den laufenden Betrieb. In Braunschweig etwa läuft seit zwei Jahren ein Teil des anfallenden Klärschlamms im großtechnischen Dauerbetrieb – und für die vollständige Verwertung der restlichen Mengen sind laut Projektbeteiligten noch bauliche Anpassungen nötig. [4]
Was bedeutet das für die Projektplanung?
Betreiber, die bis 2029 eine Phosphorrückgewinnungsanlage in Betrieb nehmen wollen, sollten die Personalplanung als Teil der Projektplanung verstehen. Planungs- und Genehmigungsleistungen lassen sich nicht kurzfristig beschaffen, wenn der Markt für Fachkräfte mit dieser Spezialisierung eng ist. Eine frühzeitige Einbindung erfahrener Ingenieure in die Vorplanung und das Genehmigungsverfahren ist entscheidend für die Einhaltung der gesetzlichen Fristen.
Auf der Seite /branchen/klaerschlammverwertung finden Betreiber und Anlagenbauer weitere Informationen zu den Leistungen, die Steinhauer im Bereich Klärschlammverwertung anbietet. Dieser Beitrag beschreibt den gesetzlichen Rahmen und die fachlichen Anforderungen – er ersetzt nicht die Prüfung des einzelnen Falls durch einen Rechts- oder Fachexperten.
Quellen
- Phosphorrückgewinnung - LfU Bayern (öffnet in neuem Fenster)
- Phosphorrückgewinnung (öffnet in neuem Fenster)
- Umweltbundesamt: Phosphorrückgewinnung aus Klärschlamm auf Abwassergebühr umlegbar (öffnet in neuem Fenster)
- klimaschutz-kommune.de: Verschläft Deutschland das Phosphorrecycling? (öffnet in neuem Fenster)
- Wer kein Phosphor recycelt, soll zahlen (öffnet in neuem Fenster)
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