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Fachkräftemangel im Energieanlagenbau: Warum Auftraggeber früher planen müssen

92 Prozent der Energieunternehmen berichten von Schwierigkeiten bei der Besetzung offener Stellen – ein Anstieg von 29 Prozent gegenüber dem Jahresbeginn 2024. Wer Projekte im Energieanlagenbau termingerecht umsetzen will, muss den Personalbedarf deutlich früher einplanen als bisher.

Radar-Schema ohne Maßstab: 8 Fachbereiche im Uhrzeigersinn ab zwölf Uhr (Planung & Konstruktion, Verfahrenstechnik, Projektleitung, Bauleitung & Montage, Elektrotechnik, EMSR & Automatisierung, Qualität & Schweißtechnik, Inbetriebnahme & Service). Drei Ringe für den Vorlauf — innen ausgeschrieben, dann vergeben, außen in Planung. In der Mitte: Ihr Projekt.IIIIII01Planung02Verfahren03Projektleitung04Montage05Elektro06EMSR07Qualität08IBNIhr Projekt
  1. 01Planung & Konstruktion
  2. 02Verfahrenstechnik
  3. 03Projektleitung
  4. 04Bauleitung & Montage
  5. 05Elektrotechnik
  6. 06EMSR & Automatisierung
  7. 07Qualität & Schweißtechnik
  8. 08Inbetriebnahme & Service

Stellenausschreibung ProjektRinge von innen: I ausgeschrieben · II vergeben · III in Planung

Schema ohne Maßstab. Richtung: Fachbereich. Abstand zur Mitte: Vorlauf.
Autor
Redaktion
Kategorie
Arbeitsmarkt
Lesezeit
4 Minuten
Stand
07.10.2026

92 Prozent der Unternehmen in der Energiebranche berichten von Schwierigkeiten bei der Besetzung offener Stellen – ein Anstieg von 29 Prozent gegenüber dem Jahresbeginn 2024. [2] Für Auftraggeber im Energieanlagenbau bedeutet das: Wer qualifizierte Ingenieure und Techniker für Projekte in Waste-to-Energy, Rauchgasreinigung, Biomasse oder Wasserstoff benötigt, muss den Personalbedarf erheblich früher als bisher in die Projektplanung einbeziehen.

Wie groß ist die Fachkräftelücke wirklich?

Im März 2026 waren bundesweit rund 369.400 Stellen in MINT-Berufen unbesetzt. [3] Gleichzeitig waren 274.130 Personen arbeitslos gemeldet, die eine Tätigkeit in einem MINT-Beruf suchen. [3] Berücksichtigt man Unterschiede bei Qualifikation und Anforderungsniveau, ergibt sich eine aggregierte MINT-Fachkräftelücke von 133.900 Personen. [3]

Besonders angespannt ist die Lage in den Bauberufen sowie in Ingenieur- und Planungsberufen: Die Bauberufe zählen mit einer Lücke von 26.400 Fachkräften zu den drei größten Engpassfeldern im MINT-Bereich. [3] Während die MINT-Lücke insgesamt gegenüber dem Vorjahr zurückging, stieg sie in den Bauberufen sogar um 900 Personen. [3]

Was zeigen die internationalen Daten?

Der Blick über Deutschland hinaus bestätigt den Befund. Laut dem World Energy Employment Report der Internationalen Energieagentur (IEA) waren 2024 weltweit 76 Millionen Menschen im Energiesektor beschäftigt, gut fünf Millionen mehr als noch 2019. [4] Trotz dieses Wachstums meldet mehr als die Hälfte der 700 von der IEA befragten Energieunternehmen kritische Engpässe bei der Personalgewinnung. [4]

Damit die Fachkräftelücke bis 2030 nicht wächst, müsste die Zahl der qualifizierten Berufseinsteiger um 40 Prozent steigen. [4] In Deutschland kommt erschwerend hinzu, dass in den nächsten 15 Jahren voraussichtlich 70 Prozent der Beschäftigten in deutschen Energieversorgungsunternehmen in Rente gehen. [4]

Welche Berufsgruppen sind im Ingenieurbereich besonders betroffen?

Rund 1,9 Millionen Erwerbstätige verfügten 2025 laut Mikrozensus über einen Studienabschluss im Ingenieurwesen – 6 Prozent mehr als 2020. [1] Das klingt nach Wachstum, doch das Beschäftigungswachstum reichte nicht aus, um einen merklichen Anstieg der Arbeitslosigkeit zu verhindern. [1] Gleichzeitig ist die gemeldete Nachfrage nach Ingenieurkräften 2025 erneut deutlich gesunken. [1]

Für Auftraggeber im Energieanlagenbau ist die Kombination aus steigender Beschäftigung und sinkender Stellenbesetzungsquote das eigentliche Problem: Der verfügbare Pool an erfahrenen Spezialisten für Anlagenplanung, Inbetriebnahme oder Bauüberwachung wächst nicht im gleichen Tempo wie der Projektbedarf.

Welche Konsequenzen ergeben sich für die Projektplanung?

Die Datenlage lässt sich in konkrete Planungsrisiken übersetzen:

  • Längere Besetzungszeiten: Fast 80 Prozent der offenen Stellen für Bauelektriker können laut dem Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) nicht besetzt werden. [4] Ähnliche Engpässe gelten für spezialisierte Ingenieurberufe im Anlagenbau.
  • Demografischer Abgang: In den nächsten 15 Jahren gehen voraussichtlich 70 Prozent der Beschäftigten in deutschen Energieversorgungsunternehmen in Rente. [4] Erfahrungsträger scheiden aus, bevor Nachfolger ausreichend qualifiziert sind.
  • Wettbewerb um Talente: 27 Prozent der Unternehmen bieten flexible Arbeitszeiten und hybride Arbeitsmodelle an, um im Wettbewerb um Fachkräfte zu punkten. [2] Auftraggeber konkurrieren damit nicht nur mit anderen Projekten, sondern mit Arbeitgebern, die dauerhaftere Beschäftigungsbedingungen bieten können.
  • Steigende Vorlaufzeiten: Wer Personaldienstleister oder externe Fachkräfte einbinden will, muss früher beauftragen, da die verfügbaren Kapazitäten knapper werden.

Wie unterscheiden sich die Engpässe nach Qualifikationsniveau?

QualifikationsniveauEntwicklung der Beschäftigung seit 2012Lage im Engpassbereich
Ingenieurberufe Bau, Vermessung, Gebäudetechnik, Architektur+56,2 % bis Q3 2025Stark nachgefragt, Lücke wächst
Spezialistenberufe (Bau, Vermessung, Gebäudetechnik)+23,4 % bis Q3 2025Engpass, Lücke in Bauberufen +900 Personen
Fachkräfte (Bau, Vermessung, Gebäudetechnik)+12,9 % bis Q3 2025Geringeres Wachstum, Besetzungsprobleme bleiben

Die Beschäftigung in den Ingenieurberufen Bau, Vermessung und Gebäudetechnik einschließlich Architektur stieg bis zum dritten Quartal 2025 um 56,2 Prozent. [3] Trotz dieses Wachstums bleibt die Lücke bestehen und hat sich in den Bauberufen sogar vergrößert.

Was bedeutet das konkret für Auftraggeber?

Der Fachkräftemangel gefährdet nicht nur einzelne Projekte, sondern die Leistungsfähigkeit der gesamten Infrastruktur. [3] Für Betreiber, Anlagenbauer und Generalunternehmer im Energieanlagenbau ergeben sich daraus mehrere Handlungsfelder:

  • Personalbedarfe bereits in der Vorprojektphase identifizieren und nicht erst bei Vergabe
  • Externe Kapazitäten für Engineering, Projektmanagement, Bauleitung und Inbetriebnahme frühzeitig sichern
  • Flexiblere Vertragsmodelle prüfen, die auf Dienstleistungsverträgen basieren – diese schulden eine Tätigkeit, nicht ein bestimmtes Ergebnis
  • Qualifikationsprofile realistisch definieren und nicht ausschließlich auf seltene Kombinationen aus Berufserfahrung und Spezialisierung setzen

Die ManpowerGroup stellt fest, dass Unternehmen auch Investitionen in Weiterbildung und Umschulung als strategische Antwort auf den Fachkräftemangel nutzen – 23 Prozent der befragten Unternehmen verfolgen diesen Ansatz. [2] Für Auftraggeber bedeutet das: Externe Fachkräfte, die projektbezogen eingebunden werden, müssen möglicherweise stärker in die eigenen Abläufe eingeführt werden als früher.

Steinhauer unterstützt Auftraggeber im Energieanlagenbau bei der Besetzung von Ingenieur- und Technikerpositionen in allen Projektphasen. Weitere Informationen zu den verfügbaren Einsatzformen finden sich unter /leistungen sowie speziell für projektbezogene Tätigkeiten unter /leistungen/on-site-engineering und /leistungen/arbeitnehmerueberlassung.

Quellen

  1. Bundesagentur für Arbeit: Online-Bericht: Akademiker/-innen - Berufsgruppen - Statistik der Bundesagentur für Arbeit (öffnet in neuem Fenster)
  2. Energiebranche leidet massiv unter Fachkräftemangel | ZFK (öffnet in neuem Fenster), 23.01.2025
  3. MINT-Frühjahrsreport 2026: Fachkräftemangel bremst Bau, Infrastruktur und Klimaschutz - Verband Beratender Ingenieure (öffnet in neuem Fenster)
  4. Der Energiebranche fehlt der Nachwuchs (öffnet in neuem Fenster)

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