Für Auftraggeber
Phosphorrückgewinnungspflicht 2029: Welche Kläranlagen müssen jetzt planen?
Ab dem 1. Januar 2029 müssen alle kommunalen Kläranlagen mit einem Phosphorgehalt ab 20 g P/kg Klärschlammtrockenmasse Phosphor zurückgewinnen. Die Klärschlammverordnung von 2017 legt die Anforderungen und zulässigen Verwertungswege verbindlich fest.
- Autor
- Redaktion
- Kategorie
- Anlagen & Branchen
- Lesezeit
- 4 Minuten
- Stand
- 03.10.2026
Ab dem 1. Januar 2029 müssen alle kommunalen Klärschlämme mit einem Phosphorgehalt ab 20 g Phosphor pro Kilogramm Klärschlammtrockenmasse so verwertet werden, dass der darin enthaltene Phosphor stofflich genutzt werden kann. [5] Diese Pflicht gilt für alle Kläranlagen unabhängig von der Ausbaugröße und ist in der Klärschlammverordnung (AbfKlärV) von 2017 verankert. [5]
Welche Rechtsgrundlage gilt?
Im Jahr 2017 wurde die Klärschlammverordnung (AbfKlärV) neu gefasst. [1] Dabei wurde festgeschrieben, dass ab 2029 die Rückgewinnung von Phosphor aus Klärschlamm für alle Kläranlagen verpflichtend ist. [1] Ab dem 1. Januar 2029 gilt gemäß der bundesweit geltenden Klärschlammverordnung die Pflicht, Phosphor aus Klärschlamm und Klärschlammasche zurückzugewinnen. [4]
Die Klärschlammverordnung von 2017 hat mit den verpflichtenden Regelungen, Phosphor zurückzugewinnen und aus der direkten bodenbezogenen Verwertung auszusteigen, bundesweit die Weichen für die Phosphorrückgewinnung gestellt. [4] Kommunaler Klärschlamm fällt dabei unter die Bestimmungen der EU-Abfallrahmenrichtlinie und deren Umsetzung durch das Kreislaufwirtschaftsgesetz. [4]
Warum ist Phosphor so bedeutsam?
Phosphor ist ein unverzichtbarer Rohstoff für die landwirtschaftliche Lebensmittelproduktion und viele industrielle Anwendungen. [5] Da Deutschland und Europa keine eigenen Phosphatlagerstätten besitzen, sind sie auf Importe aus politisch und wirtschaftlich unsicheren Regionen angewiesen. [5] Der rückgewonnene Phosphor kann etwa zur Düngemittelproduktion eingesetzt werden und sorgt dafür, dass weniger Phosphor durch den Abbau und die energieintensive Weiterverarbeitung von Phosphatgestein neu gewonnen werden muss. [1]
In Bayern enthält der kommunale Klärschlamm im Mittel ca. 3,1 % Phosphor in der Trockenmasse. [3] Bei einer anfallenden Klärschlammmenge von ca. 262.000 t TM/a (2018) ergibt sich eine Phosphormenge von ca. 8.000 t P/Jahr im Klärschlamm. [3]
Welche Anlagen sind konkret betroffen?
Insgesamt unterliegen über 90 % der in Bayern anfallenden Klärschlammmenge der Phosphorrecyclingpflicht, wie eine Auswertung der Abfrage nach § 3a AbfKlärV 2023 durch das Bayerische Landesamt für Umwelt zeigt. [5] Die Pflicht gilt unabhängig von der Anlagengröße, sobald der Phosphorgehalt den Schwellenwert von 20 g P/kg TM erreicht oder überschreitet. [5]
Klärschlämme von Anlagen mit bis zu 100.000 Einwohnerwerten (ab 2032: bis zu 50.000 Einwohnerwerten) dürfen zur Erfüllung der Phosphorrückgewinnungspflicht bodenbezogen verwertet werden, sofern die entsprechenden Vorgaben der Klärschlammverordnung und der Düngemittelverordnung eingehalten werden. [5]
Welche Verwertungswege lässt die AbfKlärV zu?
Können Klärschlämme nicht bodenbezogen verwertet werden, muss eine technische Phosphorrückgewinnung erfolgen. [5] Gemäß Klärschlammverordnung sind folgende Wege möglich:
- Phosphorrückgewinnung auf der Kläranlage mit einer Rückgewinnungsquote von mindestens 50 % oder eine Reduktion des Phosphorgehalts auf unter 20 g P/kg TM. [5]
- Eine thermische Klärschlammbehandlung mit anschließender Phosphorrückgewinnung aus der Klärschlammasche mit einer Rückgewinnungsquote von mindestens 80 %. [5]
- Eine thermische Klärschlammbehandlung mit anschließender bodenbezogener Verwertung der aufbereiteten Klärschlammasche, sofern die Vorgaben der AbfKlärV und der Düngemittelverordnung erfüllt sind. [5]
Welche Verfahren stehen zur Verfügung?
Grundsätzlich lässt sich Phosphor aus dem Abwasser, aus Klärschlamm, aus Prozesswässern der Schlammbehandlung sowie aus Klärschlammaschen zurückgewinnen. [3] Am aussichtsreichsten sind Verfahren, die auf der Phosphorrückgewinnung aus Schlammwässern und Aschen basieren. [3]
Die folgende Tabelle fasst die zulässigen technischen Wege und die jeweils geforderten Quoten zusammen:
| Verwertungsweg | Mindestquote / Bedingung |
|---|---|
| Rückgewinnung auf der Kläranlage | ≥ 50 % oder Reduktion auf < 20 g P/kg TM |
| Thermische Behandlung + Ascherückgewinnung | ≥ 80 % aus der Asche |
| Thermische Behandlung + bodenbezogene Ascheverwertung | Einhaltung AbfKlärV und DüMV |
| Bodenbezogene Klärschlammverwertung (Anlagen ≤ 100.000 EW) | Einhaltung AbfKlärV und DüMV |
Was bedeutet das für die Planung?
Bereits jetzt ist eine möglichst hochwertige Klärschlammverwertung, nach Möglichkeit unter Nutzung einer Phosphorrückgewinnung, anzustreben. [5] Ab 2029 wird die gesetzliche Verpflichtung eingeführt. [5] Werden die in der AbfKlärV gesteckten Ziele der Phosphorrückgewinnungsquoten erreicht, kann das in Bayern für Mineraldünger genutzte fossile Phosphat zu rund 43 % ersetzt werden und die Abhängigkeit von Importen deutlich reduziert werden. [5]
Die Kosten für die Phosphorrückgewinnung aus Klärschlamm sind auf die Abwassergebühr umlegbar, wie das Umweltbundesamt festhält. [1] Das Bayerische Landesamt für Umwelt hat zur Unterstützung bei der Umsetzung der zukünftigen Pflicht zur Phosphorrückgewinnung eine Beratungsstelle eingerichtet. [5]
Der Planungsvorlauf für Umbau oder Neubau von Anlagenteilen ist erheblich. Betreiber, die noch keine Konzepte erarbeitet haben, sollten die verbleibende Zeit nutzen, um Verfahrenswahl, Genehmigungsverfahren und Investitionsplanung abzuschließen.
Steinhauer unterstützt Betreiber und Anlagenbauer bei der Projektierung und dem Projektmanagement von Klärschlammverwertungsanlagen. Weiterführende Informationen finden sich unter /branchen/klaerschlammverwertung und /leistungen/engineering-projektierung. Dieser Beitrag beschreibt den gesetzlichen Rahmen und ersetzt nicht die Prüfung eines einzelnen Falls.
Quellen
- Umweltbundesamt: Phosphorrückgewinnung aus Klärschlamm auf Abwassergebühr umlegbar (öffnet in neuem Fenster)
- Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit: Verordnung zur Neuordnung der Klärschlammverwertung- BMUKN - Gesetze und Verordnungen (öffnet in neuem Fenster)
- Phosphorrückgewinnung - LfU Bayern (öffnet in neuem Fenster)
- Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg: Klärschlämme (öffnet in neuem Fenster)
- Themenschwerpunkt Phosphorrückgewinnung - Landesverband Bayern - DWA e. V. (öffnet in neuem Fenster)
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